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Yoga Retreat Recap II

"Schon mutig mit wildfremden Menschen eine Woche an einem Ort Urlaub zu machen."

Ja? Ist es wirklich mutig oder ist es einfach vertrauensvoll in sich selbst und in die Person, die an diesem Ort auf eine besondere Weise einen Raum schaffen wird, der wildfremde Menschen auf einer liebevoll akzeptierenden Ebene zusammenbringt?


Das könnte ich jetzt einfach so stehen lassen und mich mit diesen Zeilen wieder verabschieden. Denn die Message dieses Briefes ist damit wohl klar. Wie du aber weißt, liebe ich das Schreiben und kann gar nicht anders, als meiner Erfahrung noch mehr Raum zu geben.


Ob mutig, vertrauensvoll oder einfach befreit von jeglicher Erwartung - am Ende ist die Retreat-Gruppe aus wildfremden Menschen als Einheit zurück nach Deutschland gereist und freut sich auf eine baldige Reunion unter lieb gewonnenen Wegbegleiterinnen.

Wie ist es also möglich, dass komplett unterschiedliche Charaktere, Menschen mit verschiedensten Lebenserfahrungen und -weisen zueinander kommen und miteinander 7 bereichernde, kraftgebende und herrlich unaufgeregte Tage verbringen? Wie ist es möglich, dass es für alle mehr oder weniger gleichermaßen passt? Wie kann es sein, dass eine herzoffene Gemeinschaft entsteht? Darauf habe ich ein paar Antworten gefunden.


"Gemeinschaft (von gemein, Gemeinsamkeit) bezeichnet in der Soziologie und der Ethnologie (Völkerkunde) eine überschaubare soziale Gruppe, deren Mitglieder durch ein starkes 'Wir-Gefühl' stark miteinander verbunden sind [...]" - Wikipedia


WIR. Ein starkes Wort und grundsätzlich erstmal ein gutes Gefühl, oder?! Es prägt sich nach meiner Reflektion in vier Qualitäten aus: Zugehörigkeit, Gemeinsamkeit, Wertschätzung, Unterstützung.

Sich einer Sache, einem Vorhaben, einer Gruppe zugehörig fühlen, tut einfach gut, weil wir Menschen nun mal soziale Wesen sind. Auch wenn es eher introvertierte Menschen wie mich gibt, die gern auch mal auf Interaktion verzichten und ihr Alleinsein genießen können, streben wir doch alle nach Interaktion und dem Gefühl dazu zu gehören. Glücklicherweise war diese Emotion von Anfang an auf natürliche Weise bei allen Retreat-Teilnehmerinnen gegeben. Denn sie alle hatten sich aktiv und bewusst ihren Platz bei diesem Retreat, in dieser Gruppe gebucht. Damit gehörten sie alle automatisch und mühelos zur Gruppe meiner Retreat-Yoginis dazu und hatten somit beim ersten Aufeinandertreffen am Münchner Flughafen schon den ersten gemeinsamen Nenner, womit wir bereits bei Qualität Nummer 2 wären.


Gemeinsamkeit. Ist doch schön zu wissen, dass Menschen mit einem ähnlichen Interesse, zum Beispiel an Yoga, Ausspannen oder Spanien-Energie sammeln, am Abflughafen auf einen warteten, oder?! Lustigerweise kamen dieses Mal tatsächlich alle Teilnehmerinnen aus München. Im Laufe der anstehenden Woche in Andalusien sollten wir noch weitere Gemeinsamkeiten untereinander feststellen. Zum Beispiel die Liebe für Esel und feuerrote Sonnenuntergänge direkt hinter dem Haus, das Wohlgefühl bei bewusster Atmung, das Interesse an nachhaltigen Ansätzen in der Industrie, die Sinnhaftigkeit von Yoga am Morgen, die Struggle und Sorgen - mal heftiger mal schwächer - in unserem Alltag als Frauen, die Beziehungs-Herausforderungen mit lieben Menschen, den Genuss von frischem Kaffee und dem Gutheißen von kreischenden Sprüngen in den Pool.

Genauso wie bestimmte Interessen vereinen uns unsere Empfindungen, unsere Gefühle, unsere Sinne. Sie ähneln sich ganz häufig in bestimmten Situationen, die wir zusammen erleben. Zum Beispiel wenn wir nach einer längeren Anreise nach Andalusien mit wildfremden Menschen das alte, schwere Holztor zu einer wunderschönen andalusischen Oase öffnen und verschiedene Eindrücke auf uns wirken. Der zarte, unaufdringliche, süße Duft einer haushohen Jasmin-Ranke, die warme Abendsonne im Gesicht, das beruhigende Plätschern des Brunnens im Innenhof. Wie ich schon in der ersten Recap geschrieben habe, besticht die Villa El Noque durch eine ganz besondere Energie, die dich sofort in Entspannung schmelzen lässt, sogar wenn die Koffer noch vollgepackt im Eingang stehen. Wir haben es alle so empfunden - garantiert nicht exakt gleich und dennoch vereinend. Das war schnell spürbar und so konnten wir nach dem Beziehen der Zimmer unsere gemeinsame Wahrnehmung direkt beim ersten 4-Gänge-Menü teilen. Zur Vorspeise gab viele verschiedene Tapas, ganz Köchin Deborah-like mit ordentlich Knoblauch. Muy bien!

Als kleines Ritual vor jedem Essen habe ich das Dankbarkeits-Popcorn eingeführt. Jede durfte damit ohne vorgegebene Reihenfolge in die Runde poppen, wofür sie in diesem Moment besonders dankbar war. Eine schöne Möglichkeit, sich selbst und allen anderen aus einer liebevollen Haltung einen schönen Moment zu schenken und etwas zu teilen, das einen selbst gerade bewegte. Ebenso ein schöner Moment für Wertschätzung von dem, was gerade da ist... Qualität Nummer 3.


Durch das Äußern, was wir gerade besonders schätzen, bekommt das Gefühl der Dankbarkeit nochmal mehr Kraft und kann so mehr Dopamin, mehr Glücksgefühle in uns freisetzen. Gerade wenn noch mehr Menschen, ob wildfremd oder vertraut, mit uns zusammen am Tisch sitzen, wirken die anderen Herzen wir Katalysatoren für Gefühle. So ließen wir also eine Dankbarkeits- und Wertschätzungswelle über uns rollen und begannen dann zusammen, gleichzeitig, gemeinsam, genau diese wundervoll erhebende Energie in Form von unfassbar gutem Essen in uns aufzunehmen.

Was spannend war: je weiter die Retreat-Tage fortschritten, je mehr Gespräche - ob oberflächlich oder tiefgründig - am Pool geführt und gemeinsame Yoga-Einheiten erlebt wurden, desto häufiger fiel beim Dankbarkeits-Popcorn etwas wie "Ich bin dankbar für diese Gruppe an Menschen hier." Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schön sich das für mich angefühlt hat. Jeder Person an dem Tisch wurde damit Wertschätzung zuteil. Wertschätzung für die eigene Persönlichkeit, für den Umgang miteinander, für die gemeinsame Zeit. Wie stark und wie schön ist das bitte?!


Es war mir das wahrscheinlich wichtigste Anliegen bei diesem Retreat, einen wertschätzenden, akzeptierenden und liebevollen Raum zu schaffen, in dem jede Person gehört, nicht unterbrochen und angenommen wird, so wie sie war. Das ist mir gelungen und macht mich unfassbar glücklich, stolz und auf die schönste Weise machtvoll. Es ist etwas so Besonderes und Wertvolles, von anderen Menschen gesehen zu werden - vor allem dann, wenn du sie bis vor ein paar Tagen noch nicht einmal kanntest.


Was meine ich mit "von anderen gesehen werden"? Es bedeutet für mich, dass ich in den Menschen ihren unverkennbaren Wert sehe, ihre Menschlichkeit und ihre strahlende Seele mit all ihren Erfahrungen, die sie bereits machen durfte. Ich sehe ihre Bedeutsamkeit für die Menschheit und die Erde, ich sehe sie in ihrer Verletzung und Stärke, ich sehe sie selbst und schätze den unschätzbaren Wert, den sie in sich tragen.


Hiermit kommen wir zur 4 Qualität: Unterstützung. Unterstützung muss nicht immer aktiv passieren, indem ich dir morgens helfe, die in der Nacht vom Baum gekommenen Feigen aufzusammeln oder dir morgens vor deiner Ankunft bereits eine Yogamatte mit ausgelegt zu haben. Unterstützung kann auch passiv gelebt werden, indem wir uns beispielsweise ganz bewusst zuhören und ausreden lassen. Es beinhaltet die wertschätzende Haltung "es ist von Bedeutung, was du zu sagen hast so wie jeder Mensch von gleicher Bedeutsamkeit ist" und unterstützt dabei das Selbstwertgefühl der anderen Person. Ich weiß nicht, wie du es erlebst... ich bin oft wirklich traurig bis wütend darüber, wie wenig Aufmerksamkeit und Wertschätzung einander in Meetings beim Job oder während Treffen unter Freunden geschenkt wird. Können wir das bitte wieder bewusst ändern?


Eine schöne Anekdote dazu: letzte Woche habe ich einer neuen Yogaschülerin meine Visitenkarte gegeben, damit wir in Kontakt treten können. Ich drehte sie richtig herum und gab sie ihr in eine Hand ganz in der Erwartung mich direkt weiter dem Packen meiner Sportsachen zu widmen. Da sagte sie: "Nein, das mache ich anders. Ich nehme sie so, mit beiden Händen an, lese mir die Vorder- und Rückseite aufmerksam durch, bedanke mich und stecke sie dann erst weg. Habe ich letztens bei einem Geschäftstreffen mit Asiaten gelernt und fand ich schön." Ich auch. Das ist Unterstützung in Form von Wertschätzung. Danke!

Die Unterstützung innerhalb der Gruppe war völlig selbstverständlich und mühelos gegeben. Das war verdammt schön und hat so viel Ruhe und Gleichmut verbreitet. Jede einzelne Person wusste gefühlt intuitiv dazu beizutragen. Auf ihre vollkommene, einzigartige Weise.

Gemeinschaft kann entstehen, ganz mühelos und mit Freude. Wenn wir uns der Achtsamkeit zuwenden. Wenn wir Bewusstheit für uns selbst und andere zulassen. Wenn wir in uns einen wertschätzenden Raum öffnen und somit auch wertschätzend auf andere zugehen, Gemeinsamkeiten herausfinden und uns einander supporten - und sei es nur mit Mitgefühl und Verständnis. Ob eine Gemeinschaft entstehen kann, liegt an uns selbst und lag auch an mir.


Mit diesem Retreat habe ich mir selbst, den Teilnehmerinnen und dir bewiesen, dass wir anziehen, was wir ausstrahlen. Es liegt an uns. Lasst uns die Kraft der Anziehung immer wieder in unser Bewusstsein kommen und uns somit nach unseren Wünschen ausrichten!

Ich hoffe, dieses Kapitel hat dich berührt und vielleicht sogar inspiriert. Lass gern von dir hören, ich freue mich immer sehr über Antworten zu meinen Briefen! Namasté, deine Maren

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