• Maren Cremer

Freu dich nicht zu spät!

Wie oft freust du dich an einem stinknormalen Tag? 3 Mal? 5 Mal? 12 Mal? Ich meine nicht den Spaß für einen kurzen Moment, ich meine richtige Freude. Dieses Gefühl, was tiefer geht und dich mit Dankbarkeit erfüllt. Es lässt dich vielleicht lächeln oder eine feine Gänsehaut über deinen Körper krabbeln.


Für mich ist heute so ein stinknormaler Tag. Ich sitze gerade auf meinem Sofa, es ist kurz vor 12 Uhr mittags und ich denke zurück an den Moment heute Morgen, in dem ich am ganzen Körper Gänsehaut hatte – auch im Gesicht, das passiert echt selten. Ich saß im Auto. Vor mir eine geschlängelte Landstraße, die September-Sonne schien seitlich ins Fenster rein. Im Radio lief „We can do better“ von Matt Simons. Nicht, dass der Song mich jemals besonders gecatched hätte, aber in diesem Moment war irgendwie alles perfekt. Ich habe die Musik aufgedreht, laut mitgesungen und mich aus tiefstem Herzen gefreut – über den Song, über die Sonne, über die Umgebung, in der ich lebe und darüber, dass ich mich so freue. Praktisch eine Positiv-Spirale, die mir eine Gänsehautwelle nach der anderen beschert hat.


Bild: Paul Kalvelage


Freude ist planbar?

Oft gehen wir davon aus, dass Freude eine Reaktion auf etwas Herausragendes, wie eine Überraschungsparty zum Geburtstag ist. Deswegen versuchen wir uns auch Momente der Freude aktiv zu schaffen, indem wir in ein besonders schönes Restaurant gehen, einen Urlaub in einer tollen Unterkunft verbringen oder die lang ersehnte Wanderung auf den Gipfel machen, um uns über die Aussicht zu freuen. Nichts davon ist verwerflich. Ich liebe es, essen zu gehen, einen schönen Urlaub zu machen oder zu wandern. Es ist nur ein Unterschied, ob erst etwas in der Zukunft für uns passieren muss, damit wir bewusst Freude im Leben empfinden oder ob wir sie jetzt, in diesem Moment spüren können. Und seien wir mal ehrlich: es ist auch nur eine kleine Illusion der Menschen zu meinen, sie hätten die Zukunft in der Hand. Wie Bosse in seinem Song singt: Alles ist jetzt. Das ist so wahr. Womit ich wieder beim Thema Achtsamkeit wäre. Sich in Achtsamkeit zu üben, bedeutet seine Sinne zu schärfen und alles im Hier und jetzt bewusst wahrzunehmen – am besten, ohne es in irgendeiner Weise zu bewerten. Du liest gerade meinen Blogpost. Schau dich doch mal für einen Moment in der Umgebung um, in der du dich befindest – worüber kannst du dich jetzt freuen? Mein Blick trifft direkt meine kleinen Pilea-Ableger (chinesischer Geldbaum), die sich auf unserer Fensterbank richtig gut entwickelt haben. Der Fliesenboden erinnert mich daran, wie dankbar ich um unsere Fußbodenheizung bin. Ich lebe in einer wunderschönen Wohnung, habe ein Dach über dem Kopf, immer genug zu essen und vor mir steht eine Karaffe mit gefiltertem Wasser, einem Tropfen Grapefruit-Öl und Orangenscheiben darin – darüber kann ich mich gerade sehr freuen!


Das Streben nach Glück passiert jetzt

Mal ganz ehrlich – wir nehmen uns oft gar nicht die Zeit, um einfach mal nur in der Gegend rumzuschauen, um nichts zu tun. Es ist nicht neu, dass die meisten von uns in einem ferngesteuerten Wagen sitzen, in dem wir mit Highspeed durch unser Leben brettern. Die Sprachnachrichten werden in mindestens 1,5-facher Geschwindigkeit abgehört, neben dem Vollzeitjob steht Selbstverwirklichung auf dem Plan, der Instagram-Feed will permanent refresht werden und Zeit für Freunde und Familie mit Me-Time-Pausen zwischendurch wollen wir auch noch haben. Ach ja, das große Ziel bei all dem Wahnsinn: wir wollen glücklich sein! Ich möchte gerade lachen und weinen – aber bitte zur gleichen Zeit, das spart Zeit. Ironie Ende.


Es ist wie es ist, wenn wir glücklich und trotzdem ein Teil dieser Gesellschaft sein wollen, gilt es auch hier wieder, die individuelle, gesunde Mitte für uns selbst zu finden. Das gelingt, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, regelmäßig auf die Bremse zu drücken und uns Zeit für ungeplante Freude im Jetzt zu nehmen. Freude und die damit zusammenhängende Dankbarkeit ermöglichen uns mehr Zufriedenheit, Leichtigkeit und Gelassenheit im Leben. Sie sind unsere Glückshormon-Lieferanten, die wir mit einer aktiven Entscheidung anzapfen können. Jetzt. Dafür brauchen wir keine großen Pläne für die Zukunft zu schmieden. Lass uns unsere Freude nicht aufschieben. Lass uns jetzt die Musik aufdrehen, die Sonne durch unser Fenster scheinen sehen und das Leben mit seinen kleinen, großen Freuden genießen. Freu dich lieber jetzt!



Sei zart. Sei stark. Sei du. Maren




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